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Schulträger

Johann H. Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren. Mit fünf Jahren lebte er als Waisenkind zunächst in einer häuslichen Umgebung, die seinen Charakter zweifellos in besonderer Weise geprägt hat: ein hohes Maß an Sensibilität, starke Affektivität und ein sehr ausgeprägtes inneres Leben. Pestalozzi entwickelte einen sehr mutigen und zähen Charakter, der sich in seinem Leben immer wieder zeigte.

Er besuchte eine staatliche Grundschule, wo sein feinfühliges Empfinden erstmalig die Schwierigkeiten einer kaltsinnigen Umgebung erleben musste. Er absolvierte den Sekundarbereich in der Lateinschule seiner Heimatstadt und blieb dort sieben Jahre. Anschließend erhielt er eine humanistische Bildung am Collegium Carolinum. Dort nahm sein Lehrer Bodmer großen Einfluss auf ihn. Bodmer brachte mit seinem außerordentlichen Geist und demokratischen Ideen Pestalozzi und andere Schüler in Kontakt mit den Wirtschafts- und Bildungsbedürfnissen des Volkes.

In den folgenden Jahren beschäftigte sich Pestalozzi mit der Landwirtschaft. Zum einen war er vom Naturgedanken Rousseaus beeinflusst, zum anderen ging es ihm um die Schaffung des notwendigen wirtschaftlichen Auskommens, um eine junge Frau der Züricher Bourgeoisie, Anna Schultess, zu heiraten. Zuerst arbeitete er als Lehrling in einem Bauernhof, dann erwarb er unter höchst schlechten wirtschaftlichen Bedingungen ein Landgut in der Nähe von Brugg. Trotz heftigem Streit mit der Familie seiner Verlobten heiratete Pestalozzi Anna im Jahre 1769. Ein Jahr später wurde ein Kind geboren; nach kurzer Zeit zog er mit seiner Familie in sein Landgut „Neuhof".

Seine erste pädagogische Erfahrung machte er, als er Neuhof in eine Einrichtung zur Erziehung von armen Kindern verwandelte. Dies war der Anfang der sogenannten Aktivschule bzw. Arbeitsschule. Das von der helvetischen Gesellschaft unterstützte Werk bestand von 1774 bis 1780 und stellte für Pestalozzi eine entsagungsvolle, aber gleichwohl sehr fruchtbare Aufgabe dar, die seiner pädagogischer Auffassung entsprach und zu deren weiteren Formung beitrug.

Zudem begann er mit der literarischen Tätigkeit. Zuerst wurde sein Werk „Abendstunde eines Einsiedlers" im Jahre 1780 veröffentlicht. Schon dieses Werk war von seinen wesentlichen pädagogischen Ideen geprägt. Sein populärer Roman „Lienhard und Gertrud" aus dem Jahre 1782 wurde sehr erfolgreich. Der 1782 veröffentlichte Roman „Christoph und Else" hatte ähnlichen Erfolg. Seiner Schrift „Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts" (1779) kommt wegen des philosophischen und sozialen Gehalts hohe Bedeutung zu. Herder sagte über dieses Werk, dass es „die Entstehung des deutschen philosophischen Geistes" darstelle. Zu seiner weiteren literarischen Tätigkeit dieser Zeit gehören andere kleine Arbeiten wie beispielsweise die Fabeln.

Seine Bildungstätigkeit setzte Pestalozzi ab 1799 in Stanz fort, wo er mehr als 400 Waisenkinder des Krieges aufnahm und die Ideen der Grunderziehung und der Intuition entstanden. Das Leben im Heims in Stanz gestaltete sich für Pestalozzi sehr anstrengend, da er Tag und Nacht für die Kinder da war. Nach einigen Erholungswochen in den Bergen begann Pestalozzi mit seinem dritten pädagogischen Unternehmen: Burgdorf. Damit erreichte Pestalozzi den Höhepunkt seiner pädagogischen Tätigkeit, der sich in seinen Essays und praktischen Ergebnissen zeigt. In dieser Zeit erschien sein wichtigstes methodologische Werk „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt" (1801), das die Aufmerksamkeit der an Bildung und pädagogischen Fragestellungen interessierten Europäer, wie beispielsweise Herbart, weckte. Zu dieser Epoche gehört auch die berühmte Schrift „Versuch einer Skizze über das Wesen der Elementarerziehung".

Ort der letzte Etappe der vielfältigen pädagogischen Tätigkeit von Pestalozzi war Yverdon in der französischsprachigen Schweiz. Hier richtete er 1805 im Alter von knapp sechzig Jahren ein Bildungsinstitut ein und entwickelte Konzepte für die Vorbereitung auf den Lehrerberuf. 1825 verließ Pestalozzi Yverdon und zog sich nach Neuhof zurück, wo er sein letztes Werk „Schwanengesang" schrieb.

Sein Werk beeinflusste Gelehrte wie Fichte, Stein und Humboldt.

Am 17. Februar 1827 starb er in Brugg. Bis heute zählt er zu den bedeutendsten Pädagogen. Seine letzten Worte waren: „Wenn der Friede, in den ich gehe, auch meine Feinde aufnehmen könnte, so würde ich ihnen verzeihen; ich segne meine Freunde und hoffe, dass sie sich an mich erinnern und mit ihren besten Kräften meine Lebensziele nach meinem Tod fortsetzen".

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